Familie

Mein Kind hat auch ADHS – Zeichen, Diagnose und wie ich als ADHS-Mutter damit umgehe

✍ Bianca· Juni 2026· 11 Min. Lesezeit
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Es war ein Elterngespräch, wie es Hunderte stattfinden. Die Lehrerin meiner Tochter sprach vorsichtig von Unaufmerksamkeit, Tagträumerei, Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen. Und ich erinnere mich an den Moment, in dem mir klar wurde: Das kenne ich. Das kenne ich von mir.

Ich hatte gerade erst selbst die Diagnose bekommen. Und jetzt saß ich da und erkannte meine neunjährige Tochter in jedem Satz der Lehrerin.

ADHS ist stark erblich — was das bedeutet

ADHS gehört zu den am stärksten erblich bedingten psychischen Erkrankungen: Studien zeigen eine Erblichkeit von etwa 70–80 Prozent. Wenn ein Elternteil ADHS hat, ist die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass mindestens eines der Kinder ebenfalls ADHS hat. Das ist keine Schuldzuweisung — das ist Genetik. Was es bedeutet: Wenn du selbst eine ADHS-Diagnose hast, lohnt es sich, das Verhalten deiner Kinder mit informierten Augen zu betrachten.

Zeichen, dass dein Kind ADHS haben könnte

Bei Mädchen häufigerTagträumerei, starke emotionale Reaktionen, Perfektionismus, intensive aber schwer aufrechtzuhaltende Freundschaften, Vergesslichkeit im Alltag.
Bei Jungen häufigerSichtbare körperliche Hyperaktivität, impulsives Handeln und Sprechen, Konflikte mit Mitschülern, offensichtliche Unaufmerksamkeit im Unterricht.
Was Lehrerinnen oft sagen — und was es wirklich bedeutet: "Könnte mehr aus sich herausmachen" = ADHS-Symptome blockieren das Potenzial. "Sehr verträumt" = unaufmerksamer Typ. "Hat Schwierigkeiten, Anweisungen zu folgen" = Arbeitsgedächtnisschwäche, kein Ungehorsam.

Den Weg zur Diagnose gehen

Für Kinder und Jugendliche wird ADHS in Deutschland meist durch Kinder- und Jugendpsychiaterinnen oder spezialisierte Kinderärzte diagnostiziert. Der Weg: Zunächst zum Kinderarzt, dann Überweisung zum Spezialisten. Die Diagnose basiert auf Gesprächen, Fragebögen für Eltern und Lehrer und Verhaltensbeobachtungen. Wartezeiten: oft 6–12 Monate auf Kassenbasis. Es lohnt sich, auf mehrere Wartelisten gleichzeitig zu setzen.

Als ADHS-Mutter ein ADHS-Kind begleiten

Deine Stärke: Du verstehst dein Kind von innen

Du weißt, wie es sich anfühlt, sich anzustrengen und trotzdem hinterherzuhinken. Du wirst nicht urteilen — du wirst verstehen. Kinder, die wissen, dass zuhause jemand versteht, wie ihr Gehirn funktioniert, wachsen mit einer fundamentalen Sicherheit auf.

Die Herausforderung: Zwei unregulierte Gehirne

Dein Kind dreht durch — und du bist bereits am Limit. Das ist kein Versagen. Was hilft: "Wir sind beide gerade überwältigt. Lass uns beide kurz Pause machen." Und: Systeme schaffen, die nicht von der Tagesform abhängen — für dich und für dein Kind.

„Dein Kind hat Glück, eine Mutter zu haben, die versteht."

„Du kannst nicht aus einem leeren Glas gießen. Deine eigene Unterstützung ist keine Option — sie ist Voraussetzung."

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Bianca
Gründerin von Chaos.ADHS · Spät diagnostiziert · Schreibt über das Leben mit ADHS als Frau — ehrlich, warm und ohne Klischees.