Das Wichtigste in Kürze
- Der Vagusnerv ist Teil des Systems, das nach Stress wieder in Ruhe bringt — bei ADHS oft träger als gewünscht.
- Übererregung ist bei ADHS keine Charakterschwäche, sondern eine strukturell schwerere Selbstregulation.
- Übungen wie verlängerte Ausatmung, kaltes Wasser im Gesicht oder Summen sind niedrigschwellig und ohne Zusatzkosten ausprobierbar.
- Die Studienlage zu manchen dieser Übungen ist dünn — deshalb hier als Erfahrung eingeordnet, nicht als Wissenschaft verkauft.
Herzrasen, obwohl die eigentlich stressige Situation längst vorbei ist. Die Hände noch zittrig, während im Kopf schon längst wieder Alltag herrscht. Dieses Gefühl, „ich krieg mich einfach nicht runter", kenne ich zu gut — und lange dachte ich, das sei einfach, wer ich bin. Zu sensibel, zu dünnhäutig, zu viel. Bis ich anfing, mich mit dem Begriff zu beschäftigen, der 2026 an praktisch jeder Ecke der Wellness-Welt auftaucht: der Vagusnerv.
Was der Vagusnerv mit ADHS zu tun hat
Ohne tiefe Physiologie-Vorlesung: Der Vagusnerv ist einer der zentralen Nerven, die den sogenannten „Ruhe-und-Verdauungs"-Zustand des Körpers steuern — das Gegenstück zum Alarmzustand, in dem Herz rast und Muskeln angespannt sind. Nach einer stressigen Situation sorgt ein gut funktionierender Vagusnerv dafür, dass der Körper vergleichsweise zügig wieder in einen ruhigeren Zustand zurückfindet.
Bei ADHS ist genau dieser Rückweg oft langsamer oder unzuverlässiger. Nicht, weil etwas kaputt wäre, sondern weil die Selbstregulation insgesamt — emotional wie körperlich — bei ADHS strukturell anders funktioniert. Das Alarmsystem schaltet sich schnell ein, der Rückweg in Richtung Ruhe dauert dafür oft länger als bei einem neurotypischen Nervensystem.
Warum das gerade für ADHS-Gehirne relevant ist
Häufigere Übererregung bedeutet in der Praxis: mehr Momente am Tag, in denen der Körper im Alarmmodus feststeckt, obwohl die auslösende Situation längst vorbei ist. Das erschöpft — zusätzlich zu allem anderen, was ADHS ohnehin an Energie kostet. Ein Werkzeug zu haben, das aktiv beim Zurückfinden in Richtung Ruhe hilft, statt nur abzuwarten, bis es von selbst passiert, war für mich ein Perspektivwechsel.
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- Erklärt Vagusnerv-Übungen ohne Gerät oder Zusatzkosten — passt zum Ansatz „Selbsthilfe-Ebene, kein Wundermittel"
- Guter Einstieg auch ohne medizinisches Vorwissen
- Praktische Übungen zum sofortigen Ausprobieren, nicht nur Theorie
Konkrete Übungen, die ich ausprobiert habe
„Keine dieser Übungen hat mein Nervensystem repariert. Aber jede einzelne hat mir einen kleinen, konkreten Hebel gegeben, statt nur abzuwarten, bis die Übererregung von selbst vorbeigeht."
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Es ist kein Wundermittel. An besonders schlechten Tagen reicht auch die dritte Runde verlängerte Ausatmung nicht, um aus einem Alarmzustand rauszukommen — und das ist keine persönliche Niederlage, sondern schlicht die Realität von manchen Tagen. Wichtig ist mir auch, ehrlich zu bleiben: Die wissenschaftliche Studienlage rund um viele populäre Vagusnerv-Übungen ist bislang dünn. Was hier steht, ist meine eigene Erfahrung — keine belegte medizinische Wirkaussage.
„Nervensystem-Regulation ist kein Ersatz für Therapie oder Medikamente. Es ist ein zusätzliches Werkzeug, das mir hilft, mit den Momenten dazwischen besser klarzukommen."
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