Das Wichtigste in Kürze
- AuDHD bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen von ADHS und Autismus — eine Kombination, die erst seit DSM-5 und ICD-11 überhaupt offiziell diagnostiziert werden darf.
- Bei Frauen bleibt AuDHD besonders oft unentdeckt, weil beide Diagnosen sich gegenseitig verdecken können.
- ADHS und Autismus ziehen im Alltag oft in unterschiedliche Richtungen — das erklärt, warum sich manche Erfahrungen so widersprüchlich anfühlen.
- Eine fundierte Doppeldiagnostik gehört in spezialisierte Hände — dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung, sondern hilft, das Thema besser einzuordnen.
Die ADHS-Diagnose hatte so viel erklärt. Endlich ein Name für die Vergesslichkeit, die Zeitblindheit, die Unruhe im Kopf. Und trotzdem blieb etwas übrig, das nicht ganz passte: die Erschöpfung nach jedem Small Talk, das Bedürfnis nach exakt denselben Abläufen jeden Tag, die Überforderung, wenn sich spontan etwas ändert. Dinge, die sich nicht wie klassisches ADHS anfühlten — aber auch nicht einfach verschwanden, nur weil die Diagnose da war.
Für manche Frauen ist das der Moment, an dem ein zweiter Begriff auftaucht: AuDHD.
Was AuDHD bedeutet
AuDHD ist keine offizielle Diagnosebezeichnung, sondern ein in der Community entstandener Begriff für das gleichzeitige Vorliegen von ADHS und einer Autismus-Spektrum-Störung. Lange Zeit war eine Doppeldiagnose in den offiziellen Diagnosesystemen gar nicht vorgesehen — erst mit dem DSM-5 (2013) und dem ICD-11 (2022 in Kraft getreten) dürfen beide Diagnosen offiziell nebeneinander vergeben werden.
Das bedeutet: Wer heute erwachsen ist und beide Diagnosen in sich trägt, ist möglicherweise über Jahrzehnte nur mit einer von beiden — oder mit keiner — durchs Leben gegangen, einfach weil die diagnostischen Regeln das lange gar nicht zuließen.
Warum das gerade Frauen betrifft: Frauen und Mädchen zeigen autistische Merkmale häufig in einer sozial angepassten, kompensierten Form. Sie lernen früh, Blickkontakt bewusst zu üben, Gespräche vorab zu planen, soziale Situationen zu imitieren. Genau diese Anpassungsleistung — bei ADHS als Masking bekannt — sorgt dafür, dass beide Diagnosen bei Frauen besonders oft jahrzehntelang unerkannt bleiben.
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Eines der größten diagnostischen Hindernisse bei AuDHD: ADHS-typische Merkmale können autistische Merkmale überlagern — und umgekehrt. Schnelles Assoziieren, spontane Gesprächswechsel und impulsive Offenheit, die als typisch ADHS gelten, können soziale Besonderheiten des Autismus-Spektrums nach außen kaschieren. Gleichzeitig können autistische Kompensationsstrategien — starke Routinen, genaue Vorbereitung, kontrollierte Selbstdarstellung — dazu führen, dass die für ADHS typische Impulsivität und Unruhe nach außen kaum sichtbar wird.
Das Ergebnis: Fachpersonen sehen oft nur einen Teil des Bildes — je nachdem, welche Kompensationsstrategie in einer bestimmten Situation gerade überwiegt.
Wenn ADHS und Autismus in unterschiedliche Richtungen ziehen
Ein Grund, warum sich AuDHD im Alltag oft besonders widersprüchlich anfühlt: ADHS und Autismus haben teilweise gegensätzliche Grundbedürfnisse. Das erklärt, warum sich manche Tage anfühlen wie ein innerer Tauziehen-Wettkampf.
Wer beides in sich trägt, kennt vielleicht das Gefühl: Der Wunsch nach etwas Neuem und gleichzeitig die Panik vor genau dieser Veränderung. Das ist kein Widerspruch in dir — es ist die logische Konsequenz zweier neurologischer Profile, die unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Typische Anzeichen, die auf eine Doppeldiagnose hindeuten können
Die folgenden Punkte sind keine Checkliste zur Selbstdiagnose — sie sollen lediglich helfen, das Thema besser einzuordnen und gegebenenfalls das Gespräch mit einer spezialisierten Fachperson zu suchen.
„Ich dachte, ich hätte einfach besonders ausgeprägtes ADHS. Erst später habe ich verstanden: Ein Teil von dem, was ich erlebt habe, war nie ADHS — es war die zweite Diagnose, die niemand gesucht hat, weil die erste schon alles zu erklären schien."
Der Weg zu einer fundierten Doppeldiagnostik
Falls du auf der Suche nach passenden Anlaufstellen bist: In den Ressourcen findest du eine Übersicht an Spezialistinnen und Anlaufstellen, die dir bei der Suche nach der passenden Diagnostik helfen können.
„Du bist nicht zu kompliziert für eine einzige Diagnose. Manchmal braucht es zwei Erklärungen, um das ganze Bild zu sehen — und beide dürfen nebeneinander stehen."
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